20160227

Stadtentwicklung: Darmstadt 2020


In Darmstadt herrscht aktuter Handlungsbedarf. Die Liste auf der "Baustelle" Darmstadt ist lang und betrifft gestalterische Fragen, Entwicklungen in der Architektur, aber auch wirtschaftspolitische Themen.

Beispiel Innenstadt: Der Friedensplatz und der Marienplatz sind eine städtebauliche Zumutung und warten auf ihre Umgestaltung. In der Schleiermacherstrasse - eine der wenigen urbanen Straßen in Darmstadt - müsste unbedingt Stadtreparatur betrieben werden und die Baulücken mit kleinteiligen Stadthäusern gefüllt werden. Das Saladin-Eck ist auch Jahre nach dem Abriss (2012) immer noch eine unbebaute Freifläche und entwickelt sich zur Dauer-Leerstelle in der City.

Ein Stadionneubau wird unnötigerweise verzögert und auch der verzweifelte Kampf, um einen IC-Halt im Zuge des Streckenausbaus, scheint eine unendliche Geschichte zu sein. Neben allen ökonomischen Herausforderungen kommt noch der aktute Mangel von bezahlbaren Wohnraum, insbesondere für junge Familien hinzu: Es wird schlichtweg zu wenig gebaut. Man kann nur hoffen, dass Darmstadt trotz seiner Finanzprobleme die städtebaulichen Herausforderungen in der Zukunft bewältigen kann.

Darmstadt muss sein vorhandenes Potential besser nutzen. Hier finden sich zehn Inspirationsquellen für die zukünftige Stadtgestaltung, die Standortvermarktung und für das Stadtmarketing:

1. Mathildenhöhe

Das Jugendstilensemble Mathildenhöhe sollte als international vernetztes, interdisziplinäres Designzentrum weiterentwickelt werden. Als multikulturelle "Designcity" etabliert, würden sich herausragende Möglichkeiten für die Stadtvermarktung und die weitere Ansiedlung der "Kreativwirtschaft" ergeben. Die Aktivitäten des Architektursommers 2014 am Osthang der Mathildenhöhe waren ein erster Schritt für eine multiurbane Weiterentwicklung der Mathildenhöhe. Eine gute Nachricht gab es zudem im Juni 2014: Die Künstlerkolonie Mathildenhöhe soll nach dem Willen Deutschlands Welterbe-Stätte werden - ab 2016 wird sich um einen Eintrag in die UNESO-Liste beworben. 

2. Rheinstraße
Statt der desolaten Parkplatzbrachen bietet sich die dringend benötigte Ansiedlung einer internationalen Schule, eines "Betahauses" sowie digitalnaher "Innovations Office Space Suites" (s. z.B. "The Hub", Glasgow) und kreativer Lofts nach dem Beispiel der "Kleinschen Höfe" an. Die Darmstädter Rheinstraße könnte zudem mit stadtnahen Townhouses verdichtet werden. Desweiteren wäre eine Erweiterung des gastronomischen Angebotes zur Ergänzung des fußnahen Multiplex-Kinos und zur schon bestehenden Gastronomie denkbar.

3. Belebung Innenstadt 
Ursprünglich stand auf dem Wilhelminenplatz das historische "Neue Palais". Jetzt fehlt hier eine historisch inspirierte Blochrandbebauung gegenüber vom Staatstheater, um diesen unwirtlichen Ort neu zu strukturieren. Hier würde sich ein weiteres Einkaufszentrum als Frequenzbringer anbieten, welches weitere Kaufkraft für die City bindet und der Konkurrenz auf der grünen Wiese Paroli bietet. Desweiteren müsste in der Luisenstraße der langgestreckte, abweisende "Betonriegel" des Warenhaus-Baus zur Fußgängerzonen hin baulich geöffnet werden.

4. Altstadt
In der Darmstädter Altstadt sind umfangreiche stadtbildende Maßnahmen unbedingt nötig. Die derzeitige klägliche Bebauung rund um die Stadtkirche muss dringend mit einer altstadtgerechten, kleinteiligen Bebauung z.B. Townhouses aufgewertet werden. Auch altstadtgerechte Häuser mit Mikroaparments für Berufspendler, Studenten und Berufseinsteiger wären denkbar. Dort wo jetzt teilweise Billigläden und austauschbare Ketten residieren fehlen zudem weitere Cafes, Kneipen und kleine Läden. Auch das gastromische Angebot auf dem Markplatz sollte weiter ausgebaut werden. Neben der lebhaften Krone sollte auf dem - seit über 2 Jahren brachliegenden "Saladin"-Gelände - eine "bauliche Spange" aus Clubs und Cafes Richtung Schlosskeller entstehen. Baulich sollte der historische Jugendstilbau des ehemaligen Kaufhauses Hess (Saladin-Bau) aufgegriffen werden. Der im September 2015 von einer Fachjury gekürte Siegerentwurf ist architektonisch völlig missraten und entspricht in keiner Weise der exponierten Lage und trägt zudem überhaupt nicht zur Stadtreparatur bei.

5. Öffentlicher Raum und Grünanlagen
Instandsetzung der Brunnen (siehe auch UWIGA-Beschlussvorlage vom 4.08.2006) und Denkmäler, durchgängige Anti-Graffiti-Beschichtungen für öffentliche Gebäude sowie eine stärkere Präsenz und Überwachung des zunehmend vermüllten Herrngarten durch Parkwächter sind dringend geboten. Ziel muss es sein, die zunehmende städtebauliche Verwahrlosung bis hin zum Vandalismus an Denkmälern sowie mutwillige Umweltzerstörungen zu verhindern. Darmstadt macht leider vielerorts einen gammeligen, dreckigen und ungepflegten Eindruck mit vernachlässigten Fassaden und Gärten wie z.B. den teilweise desaströsen Vorgartensituationen am Rhönring. Die Instandsetzung von desolaten und heruntergekommenen Gebäudefassaden sollte mit einem Fassadenrenovierungsprogramm gefördert werden. Der Woog sollte mit einem "grünen Band" über die "Schotterparkplätze" am Jugendstilbad und der Altstadtgrünanlage hinweg mit der Grünanlage am Schlossgraben zur City hin verbunden werden.

6. Mitbestimmung
Mehr Bürgerbeteiligung durch Einrichtung von Ortsbeiräten in allen Darmstädter Stadtteilen. Etablierung von Stützpunkten für ein dezentrales Quartiersmanagement zur Förderung von Wohnen, Gewerbe und bürgerlichem Engagement.

7. Verkehrspolitik
Themen sind hier Einrichtung und Überwachung von 30km-Zonen, Schaffung von Anwohnerparken und weiteren Einbahnstraßen in Wohngebieten, Abschaffung von unnötigen Ampeln ("mehr Kreisverkehr") und Blitzerkästen, Einrichtung von grünen Wellen im Stadtgebiet, die Senkung der Parkgebühren, der Bau einer Stadtumgehung, bessere Park & Ride-Möglichkeiten - Stichtwort "Nordbahnhof" sowie die Verbesserung der Taktung der Buslinien.

8. Zentrum für die Raumfahrt: Luft- und Weltraummuseum als Besuchermagnet
Darmstadt bitte melden! Darmstadt beherbergt das Europäische Raumflug-Kontrollzentrum ESOC und ist damit ein bedeutender Standort der Europäischen Weltraumbehörde ESA. Diese bedeutende Weltraum-Einrichtung könnte - z.B. mit der Etablierung eines Raumfahrtmuseums - ein größerer Ankerpunkt für die touristische Stadtvermarktung sein. Darmstadt ist eine der europäischen Hauptstädte der Raumfahrt. Es ist nicht nachzuvollziehen, warum dieses bedeutende und interessante Merkmal der Stadt nicht ausreichend touristisch vermarktet wird. Wie es besser mit der touristischen Vermarktung geht, zeigen andere europäische Luftfahrt- und Raumfahrtstandorte: So kommen ins National Space Centre ins englische Leicester und in den Themenpark "Cité de léspace" in Toulouse/Frankreich jedes Jahr tausende Besucher und staunen über die zusammengetragene Raumfahrt-Wissenschaft. Darmstadt könnte auch der Standort für ein übergreifendes "Luft- und Weltraummuseum" sein, denn nicht nur das bedeutende Europäische Raumflugkontrollzentrum ESOC hat seinen Sitz in Darmstadt, sondern auch der geschichtsreiche August-Euler-Flugplatz - der erste Flugplatz den es in Deutschland gab. Bei der Konzeption des Museums dürfen dabei natürlich nicht die Fehler wie beim überdimensionierten und unrentablen Bremer "Space Center" gemacht werden.

9. Waldspirale
Das von Hundertwasser geschaffene Bauwerk
"Waldspirale" in Darmstadt ist vermutlich schöner und größer als das Hundertwasser-Haus in Wien. Nur kommen zum Hundertwasser-Haus nach Wien Millionen Touristen und zur Darmstädter Waldspirale nicht einmal ein Bruchteil davon. Auch Magdeburg zeigt z.B. wie man einen Hundertwasserbau bestens vermarktet. In Darmstadt fehlt selbst zur Rast ein ebenerdiges Cafe am Hundertwasserhaus. Von einem Jugendstilshop wie in Riga das "Art Nouveau" kann man nur träumen. Insgesamt gesehen muss zukünftig eine deutlich bessere Vermarktung der Waldspirale realisiert werden.

10. Schaffung Wohnraum
Darmstadt wächst seit Jahren und es herrscht akuter Mangel an bezahlbaren Wohnraum. Die Fluglärmverordnung verhindert vielfach die Ausweisung neuer Wohngebiete. Wo möglich muss nachverdichtet werden (s. z.B. Pankratiusstraße u. Schlossgartenplatz) und es müssen zentrumsnahe Baulücken im Stadtgebiet geschlossen werden und unnötige Leerstände unterbunden werden. Dabei müssen natürlich nachbarschaftliche, gestalterische und ökologische Aspekte beachtet werden.

11. Wirtschaftspolitik: Ansiedlung Kreativwirtschaft forcieren
Während in anderen Städten des Rhein-Main-Gebietes riesige Gewerbegebiete aus dem Boden gestampft wurden, sind viele Darmstädter zum täglichen Pendeln gezwungen, weil Darmstadt nicht genügend Jobs bietet. Hier muss eine offensive Ansiedlungspolitik, unter besonderer Förderung der Kreativwirtschaft (Cluster aus Design, Mode, Musik, Werbung, Kunst, Film und Verlage), zukünftig mehr Arbeitsplätze in Darmstadt schaffen. Einen beispielhaften Ansatz zur Förderung der Kreativwirtschaft findet man z.B. in Frankfurt/M. (s. dazu auch FR-Artikel vom 24.03.11 "Roter Teppich für die Kreativen"). Mehr zum Gewerbeflächenmangel in Darmstadt s. u.a. http://www.echo-online.de/region/darmstadt/Fuer-Gewerbe-wird-der-Platz-in-Darmstadt-knapp;art1231,4202170 und
http://www.echo-online.de/region/darmstadt/Insgesamt-594-Hektar-Gewerbeflaechen;art1231,4202159

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20110203

Die Darmstädter Altstadt-Misere

Als im März 1945 die amerikanischen Truppen in Darmstadt einmarschierten, war die Stadt ein einziges Trümmerfeld. Selbst die Feuerwehrleute konnten ihre eigene Feuerwache in der Kirchstraße nicht vor dem Bombenterror schützen und standen vor Ruinen.

Darmstädter Altstadt aus dem Stadtgedächtnis gelöscht
Insgesamt wurden 457 Altstadthäuser zerstört - nur 2 Häuser blieben in der Kernaltstadt unzerstört: Die "Krone" - diese steht heute noch - und das gegenüberliegende "Fuchseck" (ehem. Metzgerei Fuchs) welches in der Nachkriegszeit unnötigerweise weggerissen wurde. Wer heute nach Spuren der verlorengegangen Altstadt sucht, der muss lange suchen: Lediglich im Altstadtmuseum Hinkelsturm gibt es ein Altstadtmodell, das innerhalb der kurzen Öffnungszeiten besichtigt werden kann. Ansonsten ist die Altstadt fast komplett aus dem kollektiven Gedächtnis der Darmstädter ausgelöscht: Es gibt kaum noch Zeitzeugen, die die Altstadt wahrhaftig kennen und selbst Bildmaterial, vor allem aus der Zeit um 1933-1944, gibt es kaum zu sehen. So bleiben ein paar Schnappschüsse aus der Jahrhundertwende, die in den Bildbändern über das alte Darmstadt die Altstadt als ein alltertümliches arme-Leute-Viertel zeigt, das kaum sehenswert gewesen sei.

Planloser Wiederaufbau
Doch das ist nicht mal die halbe Wahrheit. Natürlich gab es "Schmuddelecken" in der Altstadt, aber es gab in der vormals riesigen Altstadt auch einiges Sehenswerte - was die Aufbaugeneration in der Wirtschaftswunder-Euphorie gerne verdrängte. Die Planer der Nachkriegszeit wollten keine Altstadt mehr und etwas "modernes" schaffen: Heraus kamen weitgehend hässliche TU-Gebäude, zugige Freiflächen und graue, von Anpassungsarchitektur geprägte Bauten. Hinzu kommt in der Stadt der ausgebildeten Architekten und Stadtplaner die absolute Planlosigkeit: Statt die modernen Bauten im Rahmen einer einheitlichen Gestaltungssatzung zu errichten, zeigt die heutige Altstadt ein gestalterisches Durcheinander.

Geschichte und Geschichten rund um die Stadtkirche
Das klägliche Ergebnis: In anderen Städten bildet die Altstadt die "gute Stube" - den Zerstörtes wurde wieder aufgebaut. In Darmstadt fehlt dagegen der identitätsstiftende Altstadtflair fast gänzlich. Zumindestens die Bauten rund um die Stadtkirche, insbsondere die Kirchstraße hätte man altstadtgerecht wieder aufbauen müssen. Hier spielte das Leben, hier gab es spannende Geschichten wie die um das ungelüfte Geheimnis der Einhorn-Tafel, gastronomische Raritäten wie das Gasthaus Hannibal, das Darmstädter Pfandleihhaus (die heutige Apfelweinstube im Bockshaut war früher Tresor des Pfandleihhauses) und herausragende Persönlichkeiten wie den bekannten Literaturhistoriker und Politiker Georg Gottfried Gervinus und den Jugendstilkünstler Ludwig Habich - die sogar in der altstädtischen Kirchstraße geboren wurden.

Altstadt ins Bewusstsein der Bürger zurückholen
Der etwas verschlafenen Studentenstadt Darmstadt würde eine gestalterische und gastronomische Belebung der Altstadt rund um die Stadtkirche, mit einigen historischen Nachbildungen (siehe Aufbau eines Teiles der Altstadt in Frankfurt/M.), guttun. Die überkommende Haltung, die verlorene Altstadt ausschließlich mit tristen Bauten der Nachkriegsmoderne zu füllen, hat sich als fataler Irrweg der Stadtplanung erwiesen. Die Ungemütlichkeit der Bauten spiegelt sich oftmals auch im Gewerbemix wieder: Statt kreativer Einzelhandel, sind viele Ketten und "Ramschläden" in der heutigen Altstadt zu finden. Leider beschäftigt sich anscheinend auch die heimische Architektur-Fakultät nicht ausreichend mit den historischen Darmstädter Wurzeln - es fehlen die Impulse für die weitere Gestaltung. Fest steht: Die Altstadt mit ihrer Geschichte und ihren Geschichten sollte wieder einen Platz im Bewußtsein der Darmstädter Bürger finden.

>>> weitere Links zur historischen Kirchstraße in der Altstadt sind auf der rechten Blog-Seite zu finden.

>>> Eine gute Übersicht über die Geschichte der Altstadt bietet der Freundeskreis Stadtmuseum Darmstadt e.V. auf seiner Website http://www.frk-stadtmuseum-darmstadt.de/20jahrhundert.htm mit seinem "Altstadt-Rundgang" http://www.frk-stadtmuseum-darmstadt.de/rundgang.htm


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20101224

Wissenschaftsstadt Darmstadt?

Darmstadt ist der unangefochtene Spitzenreiter in Hessen, wenn es um innovative Forschung geht. Die Liste der wissenschaftlichen Institutionen und Einrichtungen ist in der Tat beeindruckend: Darmstadt hält mit der Technischen Uni, drei Fraunhofer-Instituten und zahlreichen weiteren Forschungs-Einrichtungen den bundesdeutschen Spitzenplatz in der Patentdichte je 100.000 Einwohner. Kein Wunder also, dass die Hessische Landesregierung 1997 Darmstadt den Ehrentitel "Wissenschaftsstadt" verliehen hat.


Inflation der Wissenschaftsstädte
Doch es gibt ein Problem: Als eine Wissenschaftsstadt sieht sich nicht nur Darmstadt, sondern augenscheinlich nahezu alle mit technischen Fakultäten ausgestatteten Universitätsstädte. Und diese gibt es in Deutschland reichlich. Um sich irgendwie von anderen „wissenschaftsnahen“ Städten in der Standort-Vermarktung abzugrenzen, überschlagen sich deshalb die kommunalen Marketing-Fachleute mit werblichen Superlativen. So sieht sich z.B. die Universitäts-Stadt Aachen, indem 2010 das europäische Wissensparlament tagte, mit seinen 13 Technologiezentren und 40.000 Studierenden als „Heimat der größten Technischen Hochschule Westeuropas“. Karlsruhe, das seine Wissenschaftler im Institut für Technologie (KIT) zusammengeführt hat, spricht vom „größten Forschungszentrum Deutschlands“. Nicht weniger bescheiden ist das mit 27 Forschungseinrichtungen gesegnete Braunschweig, das sich in Europa auf Platz 1 sieht, wenn es um die Investitionen in Forschung und Entwicklung geht.

Einen hochoffiziellen Titel „Wissenschaftsstadt“ führen neben Darmstadt seit 2007 auch die Städte Fürth und Straubing, die diesen Titel vom bayerischen Wissenschaftsminister verliehen bekommen haben. Die Inflation der Bezeichnung „Wissenschaftsstadt“ perfekt macht der Stifterverband der Deutschen Wirtschaft, der seit 2005 jedes Jahr eine „Stadt der Wissenschaft“ kürt: Nach Bremen / Bremerhaven, Dresden, Braunschweig, Jena und Oldenburg durfte sich z.B. Mainz 2011 „Stadt der Wissenschaft“ nennen.

Fehlendes Alleinstellungsmerkmal
Die Liste der Städte, Regionen und Forschungsstandorte, die sich „Wissenschaftsstadt“ nennen ist also endlos. Von einem imageprägenden Alleinstellungsmerkmal im Sinne des Stadtmarketings kann also dementsprechend keine Rede sein. Die Einfallslosigkeit in der Stadtvermarktung mag deshalb auf den ersten Blick überraschen - doch wirklich einzigartige imagebildende Zusatz-Bezeichnungen für eine Stadt zu finden ist beileibe nicht immer einfach: So gibt es auch eine Inflation von Burgen- und Residenzstädten und eine Heerschar von Städten mit maritimen Slogans. Doch es geht auch anders: Frankfurt am Main beispielsweise verzichtet gänzlich auf eine Zusatzbezeichnung. Andere Städte setzen nur temporär, je nach Zielgruppe, ein Slogan für ihre Stadt ein. Eine weitgehend „eindimensionale“ offensive Vermarktung des Titels "Wissenschaftsstadt" wie es das Darmstädter Stadtmarketing betreibt ist eher die Ausnahme. So wirbt z.B. Braunschweig zwar auf seinen Wirtschaftsseiten mit dem Titel "Wissenschaftsstadt", doch wenn es um Braunschweig generell geht, bleibt Braunschweig die traditionell etablierte "Löwenstadt" und nutzt so seine kulturelle Geschichte als prägnantes Stadtsymbol.

Touristen bevorzugen weiche Faktoren
Aus touristischer Sicht ist der Titel „Wissenschaftsstadt“ sowieso eher ungeeignet: Er versprüht keine Emotionen, lässt sich nur schwer im Stadtbild fassen und wird von zu vielen Städten verwendet. Als Zielgruppe des nach Forschungskompetenz klingenden Titels „Wissenschaftsstadt“ kommen am ehesten Investoren, Unternehmen und qualifizierte Arbeitskräfte in Frage. Doch auch bei dieser Zielgruppe zählen vermehrt „weiche Faktoren“ wie die Freizeitqualität, Lebendigkeit und das kreative Potential der Stadt - und entscheiden letzlich über die Ansiedlung und den Umzug in eine Stadt.

Leider hat sich auch keine umgangssprachliche Bezeichnung für die Wissenschaftsstadt Darmstadt durchgesetzt. Würden Touristen Darmstadt mit seinem „Europäischen Raumflugkontrollzentrum“ z.B. als „Houston von Europa“ sehen, dann bräuchten sich die Stadtväter über kunstvolle Eigenschöpfungen keine Gedanken mehr zu machen. So versteckt sich aber Darmstadt unter dem Titel "Wissenschaftsstadt" hinter einer nivellierten Begrifflichkeit und besitzt damit, um es in der werblichen Fachsprache zu sagen, über „ein unscharfes Markenprofil“. Zusammengefasst gesagt: Durch die inflationäre Verwendung wirkt die Benamung "Wissenschaftsstadt" abgenutzt und eine Abgrenzung zu anderen Wissenschaftsstädten wird so gut wie unmöglich gemacht. Die Stadt bräuchte also unbedingt eine Wahrnehmungserfrischung, um in der zunehmenden Konkurrenz der Städte auf Dauer bestehen zu können. Die Bewerbung zum UNESCO Weltkulturerbe Mathildenhöhe ist zumindestens der erste Schritt in die richtige Richtung.

Unverwechselbare Marke: Jugendstilzentrum Darmstadt
Grundsätzlich sollte eine Marke immer einzigartig und unverwechselbar sein - Darmstadt besitzt mit seinem Jugendstilzentrum über ein attraktives "Label", um das es andere Städte beneiden und das für weltweite Aufmerksamkeit sorgen kann - so schaffte es z.B. eine dem Hochzeitsturm bedruckte Mode sogar auf dem Pariser Laufsteg (s. Artikel "Olbrich-Mode ist der letzte Schrei in Paris", DA Echo, 07.03.11). Doch dieses einzigartige Markenattribut, das eine unverwechselbare Identität von Weltrang bilden würde, wird genauso wie die von Hundertwasser in Darmstadt geschaffene "Waldspirale" nur unzureichend für das Stadtmarketing genutzt. Stattdessen möchte Darmstadt wie beschrieben bevorzugt als Wissenschaftsstadt wahrgenommen werden und verpasst damit eine große Chance für seine Vermarktung. Eine andere Stadt in Europa hat die markenbildenden Eigenschaften der einzigartigen Stilepoche Jugendstil indes bereits erkannt: der bei Touristen beliebte Ort Alesund wurde bereits 2003 vom norwegischen Königshaus zum "nationalen Jugendstilzentrum" ernannt und besitzt damit einen unvergleichlichen Titel für seinen Werbeauftritt.

Darmstadt verfügt über eine Vielzahl von attraktiven Attributen, um im weltweiten Wettbewerb der Städte bestehen zu können. Mit der richtigen Strategie kann Darmstadt sich ein unverwechselbares Image mit einer positiven Wirkung für den Tourismus, für die Wirtschaftsansiedlung und für die Anwerbung von Fachkräften aufbauen.

>>> Linktipp zur Thematik der amtlichen Zusatzbezeichnungen für Städte: "Wissenschaft- oder Documenta-Stadt: Amtliche Zusatzbezeichnungen sind möglich, aber nicht gefragt" im FAZ-Net vom 26.12.05.

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20101104

Darmstädter Stadtbaugeschichte(n)


Darmstadt war und ist die Stadt der kreativen Künstler, der politischen Literaten, der stilprägenden Baumeister und der ideenreichen Wissenschaftler. In der Jugendstilstadt Darmstadt ist u.a. der Deutsche Werkbund zu Hause. Hier wurden bahnbrechende Werke im Spannungsbogen zwischen Architektur und Design von Persönlichkeiten wie Alfred Messel, Joseph Maria Olbrich, Peter Behrens und Hermann und Gudrun Zapf geschaffen. Und Darmstadt schrieb mit Georg Büchner Literaturgeschichte.

Brüche im Stadtbild
Persönlichkeiten prägen das positive Bild einer Stadt. Doch Darmstadts Geschichte birgt auch viele Brüche seines Stadtbildes. Darmstadt war nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges eine einzige Trümmerwüste: 99 % der Innenstadt waren zerstört, über 10.000 Menschen wurden im Bombengemetzel getötet. Die Wunden sind bis heute in der Stadt sichtbar. Der Aufbau gelang zügig, aber nicht schön. Die zerstörte Altstadt spielte im Zuge des Wiederaufbaus keine Rolle mehr. Dem modernen Zeitgeist entsprechend wurde die gegliederte und aufgelockerte Stadt zum Leitbild für den Wiederaufbau - ohne dabei auf den städtebaulichen Kontext zu achten. Jedoch begnügten sich die Stadtplaner nicht die zerstörte Innenstadt neu zu bebauen, sondern brachen - in der von Notbauten und Kriegslücken übersehten Stadt - unsinnigerweise auch völlig intakte Altbausubstanz ab. So wurden neben dem östlichen Altstadtteil auch unversehrte Bauten im Carree Schloßgarten-, Lauteschläger- und Pankratiusstraße für moderne Hochschulklötze abgerissen. Selbst der Prinz-Georgs-Garten sollte für TU-Bauten weichen - zum Glück wurde es verhindert. 1958 fiel die Marstallruine am Mathildenplatz zugunsten des neuen Justizzentrums. Und noch in den siebziger Jahren wurden die Altbauten am Kopernikusplatz/Heinheimer Str. plattgemacht um Brutalismus-Betonwohnbauten zu errichten. So wurde nachhaltig die städtebauliche Geschichte von Darmstadt ausgelöscht.

Affären und spätes Umdenken
Die Stadt- und Baupolitik wurde immer wieder von Affären erschüttert, wie bei der "Mengler-Affäre" (s. auch "Prall gefüllt", Spiegel Online/Der Spiegel, 6/1971). Mengler baute mit seinem Bauunternehmen u.a. die Tiefgarage/Atombunker unter dem Friedensplatz (s. dazu Wikipedia-Artikel https://de.wikipedia.org/wiki/Jakob_Wilhelm_Mengler). Darüber hinaus sorgte auch die Verkehrspolitik für Schlagzeilen: Im Zuge einer autogerechten Stadt sollten dann in den siebziger Jahren weite Teile des Martinsviertels für eine Schnellstraße ("Osttangente") weichen. Bürgerinitiativen verhinderten zum Glück den Abrisswahnsinn. In dieser Zeit begann allgemein ein leichtes Umdenken - so bekam 1974 Hessen ein Denkmalschutzgesetz. Die Baugeschichte der 70iger Jahre war in Darmstadt indes weiter von Großbauten geprägt - so wurde 1972 das neue Stadttheater eingeweiht und 1975-77, als Abschluss des Luisenplatzes, das Luisencenter gebaut sowie die großspurige Untertunnelung mit dem City-Tunnel (s. Bild von Bauschild bei flickr). Im Ergebnis ist die halbe City mit Tiefgaragen und Schnellstraßen untertunnelt. 

Einen städtebaulichen Lichtblick gab es erst wieder Mitte der achtziger Jahre: 1984 wurde der alte Pädagog wieder aufgebaut und 1986 wurde das bis dahin nur noch als Ruine stehende Große Haus des Theaters wieder errichtet. Doch ansonsten wurde, obwohl zu der Zeit noch die Steuereinnahmen der Stadt sprudelten, auch in den 80iger Jahren in Darmstadt städtebaulich vieles verschlafen - während andere Städte eine postmoderne Erneuerung erfuhren, bewegte sich in Darmstadt nicht viel. Ein städtebaulicher Glanzpunkt wurde erst mit der im Mai 2000 eröffneten, von Hundertwasser geschaffenen Waldspirale, gesetzt. Ein großes Bauvorhaben wurde 2007 vollendet - das Darmstadtium (s. auch "Der Lotse nimmt Abschied vom Darmstadtium", Echo-Online, 13.12.10). Derweil wurde 2008 eine große Chance gegenüber dem historischen Moller-Bau weitgehend vertan: Ein neugebautes Hotel eröffnete - lieblos modern, mit Flachdach und monotoner Fassadengestaltung. (s. auch "Darmstädter Bausünden",  Echo-Online, 13.10.11). Eine besondere Lokalposse, die auch im Datterich vorkommen könnte, ist der Umbau des Hessischen Landesmuseum. Der Museumsbau wurde für den Umbau von 2007 bis 2014 für rekordverdächtige 7 Jahre komplett geschlossen! 2012 wurde das "Saladin-Eck" abgerissen. 2014 verschwand das stimmungsvolle Kopfsteinpflaster der Hochschulstraße (zwischen Kantplatz und Herrngarten) unter Asphalt. Ein Teil des historischen Holzpflasters ist in einem Schaukasten(!) zu sehen. 2015 gab es dann einen sportlichen Höhepunkt für Darmstadt: Die "Lilien" Darmstadt 98 stiegen sensationell in die 1. Liga auf. Der Bau eines neuen Stadions zieht sich allerdings schon seit Jahren hin. Der kontinuierliche Einwohnerwachstum der Stadt wurde ab 2015 mit dem Zustrom von Bürgerkriegsflüchtlingen weiter verstärkt.

Zwiespältige Stadt
Heute bietet das mit Architektur-Fakultäten reich ausgestattete Darmstadt einen zwiespätigen Anblick mit historischen Glanzpunkten und herausragenden Bausünden der Nachkriegszeit und teilweise verwahrlost-ungepflegten Denkmälern und übermäßig graffitibeschmutzten Innenstadt-Vierteln. Dazu kommen städtebauliche Peinlichkeiten wie der Wörnersteg und die gestoppte Darmbach-Offenlegung. Darmstadt hat heute seine schönsten Ecken - Rosenhöhe, Mathildenhöhe, Hundertwasserhaus - außerhalb des Stadtzentrums. Doch selbst die Wiege des Jugendstils auf der Mathildenhöhe (s. Rahmenkonzeption hbk tu) war und ist immer wieder gefährdet. So sollte ein allzu moderner Museumsneubau - trotz Protesten der Darmstädter Bürger - auf dem Gelände des historischen Jugendstilensembles gebaut werden. Selbst Fachleute waren entsetzt (s. auch Artikel zum Museum Sander: "Ein Fremdkörper in Olbrichs Ensemble", Echo Online, 15.07.10). Kein Wunder, dass sich eine Bürgerinitiative zum Schutz der Mathildenhöhe bildete ("BI SOS Mathildenhöhe Darmstadt"), die schließlich den "modernen Klotz" an der vorgesehenen Stelle 2011 verhinderte. Nun ist das Museum an einem anderen Standort geplant - eine erfreuliche Entwicklung. Erst 2013 wurde beschlossen, dass die Mathildenhöhe zukünftig durch ein Bebauungsplan geschützt wird. Ein Skandal, dass bis zu diesem Zeitpunkt immer wieder ungeniert auf der Mathildenhöhe historischer Bestand abgerissen werden konnte und dafür nicht ensemblegerechte Neubauten errichtet wurden.

Vermarktung der Stadtkultur
Die Vermarktung der kulturellen Perlen der Stadt, wie dem Jugendstilbad, lohnt sich übrigens auch für die Wertschöpfung der Stadt (s. dazu Artikel "Kultur bringt Einnahmen in die Stadt", DA Echo, 18.03.11). Denn während z. B. in China im Zuge des Baubooms massenhaft "kulturelle Immobilienprojekte" aus dem Boden gestampft werden, kann Darmstadt auf authentische, kunsthistorisch wertvolle Bauten zurückgreifen, die Einwohner und Besucher gleichsam faszinieren.

>>> Literaturtipp zur Darmstädter Geschichte: "Herrschaft - Architektur - Raum: Festschrift für Ulrich Schütte zum 60. Geburtstag", Lukas Verlag 2008.

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Verkehrte Welt in Darmstadt


Bis heute fällt es der Stadt offensichtlich schwer ihre Bürger in die "kiezbetreffenden Entscheidungs-Prozesse" mit einzubeziehen. So gibt es in Darmstadt fast keine eingerichteten Ortsbeiräte (nur im eingemeindeten Wixhausen - s. dazu auch Artikel des DA Echo vom 13.09.10 "Wollen die Eberstädter einen Ortsbeirat?"). In anderen Städten sind Ortsbeiräte dagegen eine weitgehende Selbstverständlichkeit. Auch ein funktionierendes Quartiersmanagement, z.B. zur Vermeidung von Läden-Leerständen, wäre in vielen Darmstädter Stadtteilen hilfreich.

Unnötiger Durchgangsverkehr, keine Parkplätze, zuviele Ampeln
Das bürgerunfreundliche Ergebnis mangelnder Mitenscheidungs-Möglichkeiten: Statt verkehrsberuhigter Anliegerstraßen, Verkehrshemmung durch Einbahnstraßen (s. z.B. wie in Frankfurt/M.), Anliegerstraßen oder Parkberuhigung durch Anwohnerparken werden vielerorts Wohngebiete in Darmstadt von einem unnötigen umweltfeindlichen Durchgangsverkehr durchschnitten und konsequent von Quartiersfremden PKW´s, Wohnmobilen und Lieferwagen zugeparkt (s. auch Artikel zum verhinderten Anwohnerparken im DA Echo "Anregung für mehr Anwohnerparken" vom 20.10.10). Ein schlimmes Beispiel findet sich z.B. im Martinsviertel - die dicht bewohnte Liebfrauenstraße - Tempo 30 Zone - wird im Berufsverkehr als rasende Ausweichstrecke zum Rhönring genutzt. Da es auch kein Anwohnerparken gibt, sind die Anwohner zudem oftmals gezwungen mehrere "spritschluckende", ökologisch sinnlose Runden durch das Viertel zu fahren, bis endlich ein freier Parkplatz gefunden wurde.

Ein weiteres Ärgernis in Darmstadt: Zuviele Ampeln, zuwenig "grüne Wellen" (s. auch DA-Echo-Artikel vom 02.03.11, "Ampelschaltung: "Die Hirnlosigkeit ist grenzenlos"), das fehlen von ökologisch sinnvollen Kreisverkehren (s. auch DA-Echo-Artikel vom 26.01.12, "Darmstadt braucht mehr Kreisel") und die vielerorts unnötigen Ampelabschaltungen zur verkehrsarmen Nachtzeit. Der jüngste Schildbürgerstreich in Darmstadt: Der Plan sogenannte "Pförtnerampeln" einzuführen, um so den Verkehr in der Stadt zu dosieren, um die Luftschadstoff-Grenzwerte einzuhalten. So werden ökologisch unsinnvolle Massenstaus provoziert.

Verkehrstechnische Überregulierung und unnötige Blitzerkästen
In der Uni- und "Wissenschaftsstadt" Darmstadt sind ofensichtlich viele Techniker und Ingenieure am Werk,  die zum Teil für eine planerische Überregulierung der Verkehrsströme sorgen. Darmstadt ist die Staustadt Nr. 1 in Hessen. Hinzu kommen noch zweifelhafte Blitzer-Überwachungskameras wie an der Kreuzung "Pallaswiesenstraße / Rößlerstraße". Mittlerweile ist die gesamte Stadt mit Hightech-Blitzerkästen zugestellt - selbst an Stellen, an denen keine verkehrstechnische Gefahrenstelle zu erkennen ist.

Mängel des ÖPNV und des Park & Ride-Systems
Große Mängel gibt es beim öffentlichen Nahverkehr. Der H-Bus z.B., die wohl wichtigste "ÖPNV-Lebenslinie" Darmstadts, hält an allen erdenklichen Stationen und durchstreift im Schneckentempo ganztägig vollgepackt mit Schülern, Pendlern und City-Besuchern die Stadt. Statt diese Linie zu entlasten - z.B. mit Schnellinien zum Hauptbahnhof, verkehrt diese stur im 15-Minuten-Takt und zuckelt spät Abends am Wochenende - sogar nur alle 30 Minuten - quer durch die Stadt. Überhaupt: Alle Linien fahren immer gleichzeitig los - zwar gibt es den Vorteil allseitiger Umsteigemöglichkeit, aber selbst am hoch frequentierten Hauptbahnhof wartet man so manchmal 15 Minuten auf seine Linie, um in die City zu kommen. Desweiteren sollte eine Verbesserung des Park & Ride-Systems (z.B. am P&R Nordbahnhof s. http://www.darmstadt.de/leben-in-darmstadt/umwelt/luftreinhaltung/index.htm) umgesetzt werden.

Teure Parkhäuser wegen mangelnden Wettbewerbs
Apropos Infrastruktur: Das Parkhäuser in Citylage auch günstiger und gepflegter sein können als in Darmstadt, sieht man z.B. in Hannover - dort gibt es eine ordentliche Konkurrenz unter den Parkhaus-Betreibern und die Preise fallen und fallen (siehe dazu Artikel der HAZ vom 06.04.10 "Parkhäuser in Hannover liefern sich Preiskampf").

Ein toller Hintergrundartikel zum Thema "Parken nur für Reiche" ist auf Zeit.de vom 03.01.14 zu finden: http://www.zeit.de/2014/02/parkplatz-digitale-vernetzung/komplettansicht?utm_content=bufferbadd1&utm_source=buffer&utm_medium=twitter&utm_campaign=Buffer

Alle Angaben ohne Gewähr.

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20101102

Ein Leitfaden für Besucher von Darmstadt

Die im südlichen Hessen liegende Stadt Darmstadt hat, laut Zensus 2011, knapp 146.000 Einwohner (ca. 33 % davon mit Migrationshintergrund). Die Darmstädter werden im Volksmund auch "Heiner" genannt. Früher, bis zu derem Abzug, prägten die vielen GI´s die Stadt. Heute ist besonders der öffentliche Dienst in Darmstadt stark vertreten: Die vielen städtischen, juristischen und universitären Ämter, Behörden und Verwaltungen machen die Stadt fast zur "Beamtenstadt". Der Darmstädter gilt nach einer Untersuchung als "Phlegmatisch" und "Harmoniebedürftig" (s. http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/region/typisch-darmstadt-charmant-phlegmatisch-und-harmoniebeduerftig-11028634.html). Und in der Tat, hier gibt es auch bei den vielen Bauskandalen, Schlachlöchern und verschobenen Bauprojekten keine große Aufregung bei der überwiegend gelassen wirkenden Bevölkerung. Die Stadt ist nicht an allen Stellen eine Schönheit - vor allem die City wird von den Innenstadtbesuchern als "mittelmäßig" attrakiv eingeschätzt - besonders bei der Stadtgestaltung gibt es Nachbesserungsbedarf (s. http://www.fr-online.de/rhein-main/darmstadt-city-mittelmaessig-attraktiv,1472796,35132112.html).

Darmstadt zählt im Jahr etwa 10 Mio. Tagesgäste im Jahr und 600.000 Übernachtungen bei einer durchschnittlichen Verweildauer von knapp 2 Tagen und einer Hotelbettenauslastung von etwa 40 % (Stand 2012, s. auch Touristen - Darmstadt auf Platz 38: http://www.echo-online.de/region/darmstadt/Darmstadt-liegt-auf-Platz-38-bei-Staedtereisen;art1231,4916026 http://presse.ab-in-den-urlaub.de/wp-content/uploads/2013/04/Touristenstaedte_staedte.pdf). Rund ein Drittel der Gäste kommen aus dem Ausland. Geschäftsreisende und Kongressteilnehmer machen 80 % aller Besucher aus. Die meisten Touristen kommen aus den USA und Großbritannien. Wer geschäftlich oder privat nach Darmstadt kommt, als Besucher, Kongressteilnehmer oder Neubürger, der kommt zunächst oftmals mit dem Zug an. Und so beginnt auch unser kleiner "Darmstädter Leitfaden" am Darmstädter Hauptbahnhof. Dieser ist ein echtes Jugendstiljuwel - und auch wer das Gebäude verlässt, blickt auf einen ansehnlich-gepflegten Bahnhofsvorplatz, mit Blick nach rechts zum majestätischen Fürstenbahnhof und Linkerseits gelegen ein erstaunliches Hamburger-Restaurant, das sich - was wohl einmalig ist - in einem Jugendstilhaus niedergelassen hat. In der Nähe befindet sich auch das Postgebäude - in einem gewaltigen neoklassizistischen Bau von 1912 - dem ehemaligen "Kaiserlichen Postamt". Da der Bahnhof relativ weit außerhalb des Stadtzentrums gebaut wurde, ist nun eine Fahrt mit Bus oder Straßenbahn fällig. Dieser Weg führt meistens über die breite Einfallsschneise "Rheinstraße" - ein eher schockierendes Erlebnis - denn links und rechts stehen einige Bauten, die einen fatal an die Aufbauleistungen sozialistischer Kleinstädte erinnern.

Hat man die Beton-Blöcke hinter sich gelassen, gelangt man zum - von unzähligen Bus- und Straßenbahnlinien durchschnittenen - Luisenplatz, der guten oder zumindestens lautstarken "Stube" in der Darmstädter Innenstadt. Auf der einen Seite eingerahmt wird dieser vom etwas in die Jahre gekommenen Luisencenter - einem überschaubar-netten, innerstädtischen Einkaufscenter. Warum man in Weiterstadt auf der grünen Wiese statt in der Darmstädter City ein neues Einkaufscenter gebaut hat bleibt indes rätselhaft. Auf dem Luisenplatz fällt ansonsten noch das Ludwigsmonument ins Auge - von den Darmstädtern nur "langer Lui" genannt. Darmstadt verfügt über eine ausgeprägte Punkerszene, die hier gerne verweilt - spötter meinen, dieses sei das einzige großstädtische Merkmal von Darmstadt. Aber das stimmt nicht: Zwar wurde das Darmstädter Zentrum im Weltkrieg zu 99 % zerstört und mäßig schön wieder aufgebaut, aber außerhalb des Zentrums, z.B. im historischen Johannisviertel, in Alt-Bessungen, Eberstadt und dem Komponisten- sowie dem Paulusviertel (mit dem tollen Paulusplatz), besitzt Darmstadt viel großstädtisches Flair. Besonders das gastronomisch ansprechende, altbaubestückte Martinsviertel geht - nachdem 2003 das 3klang eröffnete und damit ein Gastro-Boom ausgelöst wurde - mittlerweile als "kleiner"-Prenzlauer Berg durch.

Es gibt viele Parks und Freizeitmöglichkeiten in Darmstadt - mit Darmstadt 98 - den "Lilien" - gibt es zudem in Darmstadt einen Fußball-Traditionsverein (hier begann z.B. Weltstar Cha-Bum seine Karriere in Deutschland) der mit dem Stadion am Böllenfalltor viele Fußballfans anzieht. Zurück zum Zentrum: Dieses wird geprägt von dem üblichen Gewerbemix, der in allen deutschen Städten vorherrscht. Leider fehlt eine hübsche Altstadt zum flanieren und auch die Marktplatzbebauung könnte eine bauliche und gestalterische Aufwertung vertragen. Am Marktplatz befindet sich im Alten Rathaus der Ratskeller und "Henschel" - eines der führenden Modehäuser von Darmstadt. Unweit steht der "Weiße Turm". Schöne kleine Geschäfte finden sich in der Schulstrasse und interessant ist auch die ruhige Schleiermacherstrasse. Die Stadt beherbergt riesige unterirdische Parkhäuser und hat mit dem Citytunnel eine unterirdische Straßenführung. Dabei ist der Citytunnel eine beliebte Partymeile - insbesondere bei großen Fußballereignissen wird dieser kurzerhand von feiernden Darmstädtern oftmals in Beschlag genommen und für den Autoverkehr gesperrt.

Darmstadt liegt leider nicht an einem größeren Gewässer oder Fluss - was die Stadt attraktiver machen würde. Zumindestens gibt es mitten im Stadtzentrum die rührige und sehenswerte Veranstaltungslocation Centralstation und das Staatstheater, das mit einem kosmopolitischen Vorplatz aufwarten kann. In Reichweite des Theaters befindet sich der Alice-Obelisk und die imposante Kuppelkirche St. Ludwig - ein Werk von Moller von 1822/27 - der erste katholische Kirchenbau in Darmstadt nach der Reformation. Desweiteren gibt es in der Innenstadtlage den futuristische Veranstaltungs- Tagungs- und Eventkomplex Darmstadtium (mit einem eingebauten Teil der Stadtmauer) und gegenüber das schöne Residenzschloss mit lauschigen Innenhöfen, einem schön gestalteten Schlossgraben und einem netten Biergarten auf der Bastionsmauer. Wer durch die Höfe des Schlosses weiterläuft gelangt - wenn nicht gerade wieder Eventzelte den schönen Platz versperren - zum Karolinenplatz mit  den historischen Bauten des von Alfred Messel geschaffenen Hessischen Landesmuseums und des Haus der Geschichte mit dem Hessischen Staatsarchiv (untergebracht im ehem. Hof- und Landestheater von Moller - mit dem beeindruckenden Karolinensaal). Dahinter verbirgt sich der sehenswerte Herrngarten - ein großzügiger Park (u.a. mit dem Goethe-Denkmal von Ludwig Habich) an dessen Ende der romantische Prinz-Georg-Garten mit dem Porzellanschlösschen und dem Gartenhaus liegt. Eine weitere tolle Parkgartenaanlage findet sich im Stadtteil Bessungen - der Prinz-Emil-Garten mit dem Schösschen. Desweiteren findet sich in Bessungen die schöne Orangerie.

Wer nicht nur als kurzzeitiger Besucher nach Darmstadt kommt und Parks liebt, der sollte sich auch noch die Rosenhöhe - ein historischer Park im Osten Darmstadts, das Oberfeld mit Biobauernhof, den Botanischen Garten (leider mit seltenen Öffnungszeiten) der TU, den schönen Tierpark Vivarium, den Nordpark (dort ist ab und zu Flohmarkt und dort ist auch der riesige Bayerische Biergarten gelegen), das idyllische gelegene Oberwaldhaus mit dem Steinbrücker Teich und das Jagdschloss Kranichstein mit seiner Gartenanlage und die toll angelegte Reitanlage Kranichstein anschauen.

Und hier noch einige Geheimtipps für Architekturfans: In der Landwehrstraße befindet sich eine origninalgetreue Zeppelinhalle (s. Standortbeschreibung), die heute als Parkhaus genutzt wird. Im mit Fachwerkbauten ausgestatteten Stadtteil Arheilgen gibt es mit  dem Bürgerzentrum "Zum Goldnen Löwen", einen bis heute für Veranstaltungen genutzten Jugendstilsaal. Und im Rodensteinweg 2 befindet sich mit dem "Alten Schalthaus" ein sehenswerter Bau von 1926 im Stil des Klinkerexpressionismus. Ein historisch nachgeahmter Bau im Stil eines "Schweifgiebelhauses" (fertiggestellt 2013) ist in der schönen Magdalenenstr. 25 zu bewundern. Direkt gegenüber steht die im Jugendstil 1904 errichtete ehemalige Maschinenhalle - von der TU als Vorlesesaal 2013 umgebaut. Sehenswert ist auch die in der nähe befindliche, 2012 eröffnete Zentralbibliothek auf dem Campus Mitte. Um die Ecke - in der Hochschulstraße stehen alte TU-Gebäude wie der 1904 von Friedrich Pützer errichtete Pützerturm. Dieser war einst ein Wahrzeichen der Hochschule - im Krieg leicht zerstört, nach dem Krieg zerstümmelt und ab 2015 zumindest "Innen" wohl wieder saniert. In der Nähe lohnt sich ein Besuch des mit Architekturbüchern gut sortierten Georg Büchner Buchladen in der Lauteschlägerstr. 18. Aus der Wiederaufbauepoche stechen positiv hervor, der Neufert-Meisterbau in der Pützerstraße 6 (unterhalb der Mathildenhöhe) von 1954 und das Haus Finkeisen ("Wilhelminenhof") von 1955 in der Wilhelminenstraße mit einem Scraffito des Künstlers Ernst Vogel. Weiterhin sehenswert ist die historische - unter Denkmalschutz stehende - ehemalige "Merck-Villa" in der Annastraße 15, sowie das als Hotel 1899 eröffnete und heutige Begegnungszentrum "Lichtenberghaus" in der Dieburger Straße 241. Begegnungen der kulturellen Art finden auch statt im "Achteckhaus" - einem schönen Renaissancebau in der Mauerstraße 17. Insgesamt gibt es etwa 2.450 geschütze Bauten, Denkmäler und Objekte in Darmstadt.

Weiter mit dem Pflichtprogramm der "Darmstädter Sehenswürdigkeiten": Das UNESCO-Weltkulturerbe Messel in der Nähe von Darmstadt und die Mathildenhöhe mit dem einzigartigen Jugendstilensemble muss man als Besucher Darmstadts gesehen haben. Der Hochzeitsturm oder auch Fünffingerturm (Vorbild für die "schützende Hand" über der Stadt war das orientalische Symbol "Fatimas Hand") ist das Wahrzeichen der Stadt. Sehr schön auch die Russische Kapelle auf dem Gelände der Mathildenhöhe. Nur wenige Autominuten entfernt von der Mathildenhöhe befindet sich das historische Jugenstilbad - für Baden, Sauna und Spa. Toll ist auch der Woog - ein Badesee in der Stadt und toller gleichnamiger Gastronomie. Ein weiterer Pflichtbesuch sollte der mitten zwischen Mietskästen und Discounter-Markt stehenden Waldspirale gelten - ein imposanter, von Hundertwasser geschaffener Wohnbau. Spätestens wenn man als Besucher dort angekommen ist merkt man dass Darmstadt zwar ein gewaltiges Potential hat, dieses aber nur mangelhaft nutzt. Die touristische Infrastruktur z. B. könnte vielerorts besser sein, es gibt an vielen Stellen zuwenige Cafes, Bars und Restaurants. Darmstadt ist eine weitgehend sichere Stadt, aber es gibt eine gefühte Unsicherheit und manchmal würde man sich mehr Stadtstreifen in der City wünschen. Vieles wirkt im Stadtbild leider vernachlässigt und die ganze Stadt ist mit Graffititags und Aufklebern verunstaltet.  Darüber hinaus gibt es auf den Straßen und Gehwegen Schlaglöcher ohne Ende und viele Plätze in der Stadt sind leider "Taubenverkotet". Schade, dass die Stadt so hoch verschuldet ist, dass für Fassadenprogramme und Straßenreparaturen - wie in vielen anderen Städten auch - kaum noch Geld da ist.

Noch etwas für Darmstadt-Neuankömmlinge: Die Zahl der Studenten (überwiegend TU) hat sich seit dem Jahr 2000 auf rund 45.000 fast verdoppelt. Es gibt viele Wissenschaftseinrichtungen und über 2.500 Arbeitnehmer arbeiten im Raumfahrtsektor (u.a. bei der ESA beim europäischen Satelliten-Kontrollzentrum ESOC und bei der zwischenstaatlichen Wettersatellitenorganisation Eumetsat). Darmstadt wird darüber hinaus wirtschaftlich besonders von Merck, der Software AG, Schenck Process, dem TIZ (u.a. mit T-Systems), Kao sowie der GSI und der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau geprägt. Desweiteren gibt es noch einige mittelgroße Unternehmen, aber insgesamt gesehen sind leider viele Arbeitnehmer zum beruflichen Pendeln nach Frankfurt/M. und anderen Städten gezwungen.

Darmstadt hat über 150.000 Einwohner - Tendenz steigend - doch für junge Familien wird in Darmstadt leider zuwenig gebaut. Es herrscht Wohnungsnot: Eine passende Wohnung zu finden ist ein Glückstreffer (s. auch DA Echo vom 16.07.11 "2010 Rekordjahr beim Verkauf von Immobilien" und DA Echo vom 12.05.12 "Stadtplanung: Es fehlen 2.400 Wohnungen") - 600 neue Wohnungen müssten alleine jedes Jahr gebaut werden um den Status Quo zu erhalten. Die Armut ist auch in Darmstadt groß (s. Darmstädter Tafel http://www.echo-online.de/region/darmstadt/Darmstaedter-Tafel-Andrang-der-Armut;art1231,4605093) 2.000 Haushalte (Stand 2/2013) stehen auf Wartelisten für eine Sozialwohnung. Gab es in Darmstadt 1987 noch rund 15.200 Sozialwohnungen, waren es 2010 nur noch knapp 5.400. 45.000 Studenten (doppelt soviele wie im Jahr 2000) studieren in Darmstadt an der TU und anderen Hochschulen. Und für die vielen Studenten gilt: Die Mieten sind hoch und es herrscht Wohnungsnot. Trotzdem werden nach einer 2013 getroffenen Zielvereinbarung in den nächsten Jahren zusätzlich 760 Studenten pro Jahr mehr in Darmstadt studieren.

Auch das studentische Kneipenangebot ist steigerungsfähig auch wenn es einige gute Ecken wie die Lauteschlägerstraße gibt. Trotzdem wird es wahrscheinlich in Darmstadt nicht langweilig werden. Das Positive überwiegt und ein Besuch der jährlichen Veranstaltungen wie z. B. Schlossgraben- oder Heinerfest oder der Jugendstiltage - lohnt sich in Darmstadt. 

*Im Bild oben: Das "Saladin-Eck" - abgerissen im April 2012. Es war eines von nur drei im Krieg noch stehengebliebenen Gebäuden in der Darmstädter Altstadt. Nach dem Abriss fand man historische handgeblasene Fenster an der Wand der "Krone" - s. dazu auch http://www.echo-online.de/region/darmstadt/Historisches-Fenster-beim-Saladin-Abriss-entdeckt;art1231,2832429

>>> Mehr zur verlorenen Altstadt findet sich im Altstadtmuseum im Hinkelsturm - s. https://de.wikipedia.org/wiki/Altstadtmuseum_Hinkelsturm
>>> Sehenswürdigkeiten von Darmstadt hat auch Wikipedia aufgelistet - siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Sehensw%C3%BCrdigkeiten_in_Darmstadt
>>> Die Liste der Kulturdenkmäler in Darmstadt ist hier bei Wikipedia zu finden: https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kulturdenkmäler_in_Darmstadt

Alle Angaben ohne Gewähr.

20101101

Das Kreativzentrum Mathildenhöhe

Die Stadt Darmstadt bewirbt sich mit der Künstlerkolonie Mathildenhöhe und seinem weltbekannten Jugenstilensemble um die Aufnahme als UNESCO-Weltkulturerbe. Diese begrüßenswerte Bewerbung könnte der erste Schritt sein, um die Mathildenhöhe als interdisziplinären Designstandort weiterzuentwickeln.

Übergreifende Design-Einrichtung von Weltrang
Auf dem Osthang der Mathildenhöhe empfiehlt sich z.B. die Errichtung einer übergreifenden Design-Einrichtung nach dem Vorbild der "Citi du Design" in St.Etienne/Frankreich (bzw. der Essener Designstadt "Zollvereingelände", der interdisziplinären Design-Einrichtung "Disseny Hub" in Barcelona oder auch des PDC in L.A.). Auch ein "Kreativpark" für die Kreativwirtschaft wäre denkbar (s. z.B. "Alter Schlachthof" in Karlsruhe, Heyne-Fabrik, Offenbach oder Wacker-Fabrik, Mühltal). Hier müssen sich die Disziplinen Architektur, Kommunikation, Forschung, Gewerbe und Lehre zum Thema Formgebung in einem Kreativquartier verbinden. Auch ein Designhotel mit dem Thema "Jugendstil" wäre im Umfeld der Mathildenhöhe denkbar. Als weiteres wäre am brachliegenden Osthang eine Open-Air-Bühne für kulturelle Veranstaltungen vorstellbar. Mit einer Aufwertung Darmstadts als "Stadt des Designs" würde zudem die Möglichkeit bestehen, sich um den Titel "UNESCO City of Design" zu bewerben und sich dann mit dem UNESCO-Programm "Creative Cities Network" mit anderen kreativen Städten zu vernetzen. Dies könnte z.B. auch der erste Schritt sein, für eine Bewerbung Darmstadts als Kulturhauptstadt Europas.

Jugendstilensemble Mathildenhöhe als "Stadtmarke"
Insgesamt gesehen muss Darmstadt das Alleinstellungsmerkmal "Jugendstilensemble Mathildenhöhe" besser vermarkten - ähnlich wie z. B. die Stadtmarke "City of Architecture and Design" in Glasgow - und keinen Schwerpunkt mehr auf das austauschbare Merkmal "Wissenschaftsstadt" legen. Darüber hinaus ist eine weitergehende Vernetzung des Designbegriffes in der Stadt denkbar: So könnte im Konferenzzentrum Darmstadtium ein regelmäßiges  internationales Treffen zu diesem Thema etabliert werden - ähnlich dem "World Design Forum" in Eindhoven.

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